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Hallo liebe Interpreting-Community!

Vielleicht könnt ihr mir weiterhelfen. Ich studiere momentan im Bachelor Deutsch-Spanisch-Russisch an der Uni Wien und würde gerne den Master in Konferenzdolmetschen im Ausland machen(wobei ich noch recht unentschlossen bin zwischen Großbritannien, USA, Spanien, Deutschland und Frankreich). Da ich gehört habe, dass es sehr wichtig ist Englisch in der Sprachenkombination zu haben, frage ich mich nun, ob ein Master in GB, USA sinnvoll wäre oder ob es besser wäre in Europa (Deutschland,Spanien,Paris) zu bleiben? Welches Land wäre für meine Sprachkombination am besten geeignet (sowohl für den Master, als auch für spätere Jobaussichten?) und welche Unis haben denn einen guten Ruf (bis jetzt sind mir Heidelberg, Germersheim und Paris bekannt) Danke!

Ich freue mich auf Antworten in Deutsch, Spanisch, Russisch und Englisch! glg Astrid

asked 07 May '15, 15:04

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Astrid Hafner
27349

edited 07 May '15, 15:22

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Nacho ♦
73381532


Hallo Astrid,

zu dem, was Gaspar schon geschrieben hat, noch ein paar – persönliche - Überlegungen zusätzlich, die dir vielleicht helfen. Auch ich habe den Bachelor in Wien gemacht, den Master dann in Heidelberg. Was also zunächst deine Fragen wegen Deutsch betrifft: Klar, wenn du in einem deutschsprachigen Land studierst, liegt der Fokus auf dem Deutschen, im fremdsprachigen Ausland wiederum kannst du dir erwarten, dass deine B-Sprache sehr stark wird (was unerlässlich für den freien Markt ist) bzw. du mehrere C-Sprachen lernst. Was das Deutsche betrifft wäre es in diesem Fall (wie aber im Allgemeinen ohnehin) noch vermehrt deine eigene Aufgabe, aktiv daran zu arbeiten.

Die Liste der deutschsprachigen Unis ist, denke ich, schon ganz vollständig, Heidelberg und Germersheim sind recht gut bei den europäischen Institutionen vertreten, genauso gibt es dort aber AbsolventInnen aus Köln, Wien, Leipzig, Genf, usw. Wie Gaspar richtig sagte, liegt es nicht unbedingt immer an der Uni und Ausbildung, sondern auch an deiner eigenen Motivation und deinen Sprachen. Und letztlich ist die Wahl der Uni auch eine persönliche Frage, welcher Ansatz dir mehr liegt, ob du gerne eine Kombination aus Übersetzen/Dolmetschen studieren willst oder dich vorrangig auf Dolmetschen konzentrieren willst – sieh dir da am besten einfach mal die Lehrpläne auf der HP der Unis an.

Was spätere Jobaussichten betrifft: Bei der Wahl der Uni für das Masterstudium solltest du vielleicht auch mitbedenken, wo du dir vorstellen kannst, nach dem Studium noch längere Zeit zu leben/zu arbeiten (vor allem als Freiberuflerin). Im Studium knüpfst du Kontakte und Netzwerke, wodurch der spätere Berufseinstieg als Freiberuflerin in dieser Region und in diesem Land deutlich einfacher wird. Gehst du nach dem MA zurück oder in ein anderes Land (abgesehen von EU oder den wenigen festen Stellen), bist du als Freelance zunächst relativ auf dich alleine gestellt bzw. wirst längere Zeit benötigen, um ein neues Netzwerk aufzubauen.

Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig helfen, das sind wie gesagt nur meine persönlichen Eindrücke – andere KollegInnen sehen das vermutlich wieder anders.

Liebe Grüße!

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answered 10 May '15, 07:30

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Rike
462

Hallo! Ok.Danke.Ja, deine Tipps helfen auf jeden Fall. Noch ein paar Fragen zu deiner Uni. Welche Sprachenkombination hast du denn gewählt und hast du zur Inskription C2-Zertifikate vorweisen müssen? Wie war denn der Aufnahmetest aufgebaut? Legen sie viel Wert auf die Endnoten des Bachelors? (weil momentan erscheint mir bei der PIK-Prüfung einen Einser oder Zweier zu bekommen, schon eher wie ein Glücksspiel) Danke und LG

(14 May '15, 10:10) Astrid Hafner
1

Hallo Astrid, Ich hatte damals A-B-C (De, En, It) und soweit mich mich erinnern kann, sind die Nachweise deines Bachelors (also Transcript of Records, Zeugnisse etc.) ausreichend. Für Englisch musste ich zusätzlich noch einen Toefl-Nachweis bringen, aber ich weiß nicht, ob das heute noch erforderlich ist. Der Aufnahmetest bestand aus einer kurzen Dolmetschleistung (konsekutiv, mit oder ohne Notizen), einer spontanen Rede in der jeweiligen Fremdsprache zu einem aktuellen Thema, Paraphrasieren etc., aber auch das kann sich mittlerweile geändert haben - am besten, du liest das in der Zulassungs- bzw. Prüfungsordnung nach (auch zur Endnote) oder nimmst direkt Kontakt mit einem der FachstudienberaterInnen auf. Alles Gute, liebe Grüße

(19 May '15, 08:30) Rike

Ok, alles klar. Danke!

(21 May '15, 16:23) Astrid Hafner

Welches Land wäre für meine Sprachkombination am besten geeignet (...) für spätere Jobaussichten?

Solltest Du "nur" C-Sprachen haben, wird dich potenziell alleine die EU in Brüssel dauerhaft beschäftigen können. Vorausgesetzt, dass Du genug (und die richtgen) Sprachen hast. Als Berufseinsteigerin bräuchtest Du 3 EU Fremdsprachen, EN und FR sollten auf jeden Fall dazu gehören.

Englisch mindestens als C-Sprache ist etwa so wie der Führerschein: mit hast du keinen grossen Vorteil auf den Arbeitsmarkt, da alle deine Kollegen/Konkurrenten den Führerschein haben. Ohne aber ist kaum vorstellbar.

Solltest Du also für die EU arbeiten wollen, wäre es sicherlich sinnvoll erst mal die nötigen Sprachen zu erlernen und dir erst später Gedanken über den Master in Konferenzdolmetschen zu machen.

Solltest Du eine B-Sprache haben, musst du dich umschauen um herauszufinden ob und wo die Sprachkombination gebraucht wird.

Zu deiner Liste von Unis würde ich, für Deutschsprachige Dolmetscher, noch Genf hinzufügen. Aber zwei Jahre Aufenthalt in Deutschland wären sicherlich keine schlechte Idee um dich ans lokale Hochdeutsch zu gewöhnen, was von dir auch später in der Kabine erwartet wird. Das mag jetzt abstrus und überflüssig klingen, und man könnte meinen in Österreich spreche man ja die gleiche Sprache. Ja, aber... Die Anforderungen für die A-Sprache sind so hoch, dass viele (Deutsche) Kandidaten der deutschen Kabine nicht die Kurve kriegen, weil ihr Deutsch nicht gut genug ist (und das Gleiche gilt für Franzosen in der FR Kabine). Österreicher bzw. französisch- oder deutschsprachige Belgier müssen sich eine Zeitlang manche ihrer Redewendungen und Ausdrücke abgewöhnen um von allen Zuhörern verstanden zu werden. Das braucht etwas Zeit, und geht auch einfacher wenn man schon in Deutschland lebt und studiert.

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answered 08 May '15, 03:35

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Gáspár ♦
6.6k141829

Ok, danke für deine schnelle und hilfreiche Antwort!

Die EU betreffend: Ich würde wirklich total gerne dort arbeiten. Aber gibt es dort auch Möglichkeiten die russische Sprache anzuwenden? Die möchte ich auf keinen Fall weglassen. Französisch nachzulernen wäre kein Problem. Die Sprache ist sehr schön und ich wollte sie schon längere Zeit lernen. Dann würde ich mit dem Master noch 1-2 Jahre warten. Von welcher Uni werden denn die meisten Dolmetscher genommen?

Zum Studium im deutschsprachigen Raum: Ok, ja, das klingt sehr verständlich. Würdest du auch München oder Köln empfehlen?

Zum Studium generell im Ausland: Würdest du von einem Studium in anderssprachigen Staaten eher abraten, da man da zu wenig ins Deutsche dolmetschen kann? Im Ausblick hätte ich die USA, Großbritannien und Frankreich.

(08 May '15, 04:47) Astrid Hafner

Hi! Russisch wird sehr selten benutzt. Du kannst dir die Sprache von der EU später auch anerkennen lassen. Kurz: Erst nach dem erfolgreichen bestehen der EU-Akkreditierung (mit 3 EU Fremdsprachen) kannst du einen Antrag stellen um auch deine Fähigkeiten zum dolmetschen aus der russischen Sprache ins Deutsche unter Beweis zu stellen.

Von welcher Uni werden denn die meisten Dolmetscher genommen? Kann ich dir leider nicht beantworten, wäre zahlen dazu wären auch sinnlos. Ein Diplom aus einer guten Uni ist keine Garantie zum Erfolg beim EU-Test, genauso wie manche Kandidaten aus eher als schwächer geltenden Unis es auch schaffen. Germersheim ist auf jeden Fall eine gute Wahl, Heidelberg soll auch nicht schlecht sein.

Vom Studium in Grossbritannien würde ich abraten: Die (duale!) Ausbildung in Dolmetschen und Übersetzen dauert da nur ein Jahr, was sehr kurz ist um all die Fähigkeiten die man braucht, anzueignen. Der Spass kostet einiges (vierstellige Beträge fallen für Semestergebühren an), genauso wie in den USA. Ausserdem sind da die deutsche Muttersprachler in der Minderheit, was die A-Sprache betreffend sich als grossen Nachteil erweisen kann. Wenn eine öffentliche Deutsche Uni dir eine gute Ausbildung quasi umsonst bietet, nur zu! (München und Köln werden meines Wissens sehr selten erwähnt - kann aber auch an mir liegen, da ich in der französischen Kabine arbeite sind meine Kenntnisse bezüglich deutscher Unis begrenzt. Vielleicht melden sich demnächst besser infomierte Kollegen zu Wort.)

(08 May '15, 05:29) Gáspár ♦
1

Vielen, vielen Dank. Deine Antwort hat mir um einiges weitergeholfen!

(08 May '15, 17:42) Astrid Hafner
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question asked: 07 May '15, 15:04

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last updated: 21 May '15, 16:23

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