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Muss mann in einer Familie aufgewachsen sein, wo jemand nicht hören kann oder kann man es auch von der Pike auf lernen?

Gibt es Ausbildungseinrichtungen?

asked 27 Oct '11, 09:36

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Angela
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edited 02 Apr '12, 13:14

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Vincent Buck
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Die folgende Antwort stammt nicht aus meiner Feder, sondern ich habe einen guten Freund zu Rate gezogen, der Gebärdensprachdolmetscher ist. Er ist nicht mit Gehörlosen aufgewachsen, sondern er hat die Gebärdensprache erst als Erwachsener erlernt:

"Der Erwerb der Gebärdensprachen erfolgt wie der jeder anderen Sprache. Die Hürde, von den i.d.R. akustischen Sprachen auf eine visuelle Sprache umzuschalten, ist für den einen leichter und für den anderen schwerer zu bewältigen. Der Rest besteht ebenso aus Syntax, Semantik und kulturellem Hintergrund wie bei dem Erwerb einer Lautsprache. Der kulturelle Hintergrund unterscheidet sich i.d.R. auch von der jeweiligen regional hörenden Kultur. Wie bei allen Sprachen existiert eine Vielzahl Dialekte, die es als Dolmetscher für Gebärdensprache zu kennen gilt.

Das Erlernen von Gebärdensprache als Hörender ist also keine Hexerei, sondern unterliegt ebenso dem Talent und Fleiß des Lerners.

Heutzutage gehört das Dolmetschen in die Gebärdensprache in vielen Bereichen zum Alltag: Betriebsversammlungen, Großveranstaltungen, Nachrichten im Fernsehen, aber auch Vorlesungen an der Universität oder Fachhochschule, Theater- oder Musicalaufführungen, Museums-/Städteführungen und jede andere Veranstaltung, an welcher ein Hörgeschädigter teilnimmt.

Mit Verwunderung wird mir immer wieder bewusst, dass es unter den Dolmetschern der „Lautsprachen“ noch Kollegen gibt, die das Dolmetschen in eine Gebärdensprache nicht als gleichwertig zu ihrer eigenen Tätigkeit ansehen. Für mich als Dolmetscher der deutschen Gebärdensprache erscheint es so simpel:

Aufnahme einer Aussage in der Ausgangssprache und Transfer in die Zielsprache unter Berücksichtigung ihrer kulturellen Ausprägungen. Das Ganze simultan oder konsekutiv. Ob nun die Hände oder die Stimme Sprache transportieren, spielt keine Rolle.

Trotz dieser Tatsachen und einer Gebärdensprachdolmetscherin als Bundesreferentin im BDÜ scheint immer noch zu wenig Aufklärungsarbeit unsererseits zu laufen.

Empfehlenswert ist ein Einblick in die Gebärdensprache für wahrlich jeden! Sie öffnet neue sprachliche Horizonte, zeigt spezielle Formen ganz eigener Wortspiele und besitzt eine wunderbar darzustellende Poesie. Mir persönlich hat die Gebärdensprache nicht nur den Blick geweitet, sie hat mich zum Beruf des Dolmetschers motiviert und zur Leitung des Integrativen Gebärdenchores Liebfrauen in Frankfurt gebracht.

Für das Erlernen der Gebärdensprache empfehle ich die Kontaktaufnahme mit lokalen Gehörlosenvereinen, die auf Kurse verweisen können. Das Dolmetschen in Gebärdensprache ist ein Studium und kann z.B. hier absolviert werden:

Hochschule Magdeburg-Stendal / Sachsen-Anhalt www.hs-magdeburg.de/studium/s-studienangebot/bachelor/b_gsd

Universität Hamburg www.sign-lang.uni-hamburg.de/studium/index.html

Humboldt – Universität Berlin (voraussichtlich ab Sommersemester 2010) http://www.reha.hu-berlin.de/lehrgebiete/gsd

Fachhochschule Zwickau / Sachsen http://www.fh-zwickau.de/index.php?id=2111

Eine Besonderheit ist noch die Möglichkeit, zwischen den Gebärdensprachen unterschiedlicher Länder zu dolmetschen. Speziell hierfür existiert ein Studium für gehörlose Gebärdensprachdolmetscher: www.aww.uni-hamburg.de/Taube_Gebaerdensprachdolmetscher.html

In der Hoffnung, ein paar Wissenslücken gefüllt zu haben…

Stefan Richter, Staatlich geprüfter Gebärdensprachdolmetscher, Frankfurt am Main"

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answered 13 Apr '12, 03:22

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Oliver
57519

edited 13 Apr '12, 06:09

Danke Oliver dafür, dass Du diese Antwort "mitgebracht" hast. Ich hoffe, dass zahlreiche GSD sich an dieses Forum beteiligen werden.

(14 Apr '12, 02:21) Aude
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last updated: 14 Apr '12, 02:21

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